Rede am 26. Oktober 2012 in Düsseldorf

Liebe Friedensfreunde, liebe Mitmenschen!

„Es mag sein, dass es nie eine Zeit geben wird,

in der es keinen Krieg gibt.

Es darf aber nie eine Zeit geben,

in der es keinen Widerstand gibt.“

Der Ausspruch stammt von Eli Wiesel, der 1986 den Friedensnobelpreis erhielt. Es hätte ihn auch Bertha von Suttner sagen können, die österreichische Friedenskämpferin, die im Jahr 1905 durch den Friedensnobelpreis geehrt wurde. Sie prangerte bis zu ihrem Tod kurz vor Beginn des 1. Weltkriegs die Hochrüstung der europäischen Staaten an.

Ich stehe hier als Bertha von Suttner verkleidet, weil ich mich ihr sehr verbunden fühle, einer so starken Frau, die niemals aufgegeben hat.

Wie wichtig ihr Vermächtnis ist, erleben wir Friedensbewegte immer zwingender in einer waffenstarrenden Welt, in der Kriegführen wieder als Normalfall erscheinen soll. Es ekelt einen an, wie uns der wiederkehrende Militarismus schmackhaft gemacht wird – für unsere Sicherheit, für die Verteidigung der Freiheit, für die Demokratisierung und Humanisierung anderer Völker. Diese Heuchler! Es geht doch nur um Macht und Geld.

Dafür wird schamlos, ohne Gewissen ganz legal gerüstet. Kampfflugzeuge und Lenkwaffen, Pistolen und Gewehre, Kriegsschiffe und "Leopard"-Panzer – all diese Waffen werden in Deutschland hergestellt. Sie werden verkauft und sogar verschenkt. Deutschland macht Kriege und Zerstörung in aller Welt möglich und verdient noch daran.

„Rüstung tötet mit Sicherheit!“ war einmal ein Slogan der Friedensbewegung. Dieser Satz gilt auch heute noch und ganz gewiss für die Leopard-Panzer, die an Saudi-Arabien geliefert werden sollen. Im Hinblick auf das, was Deutschland in den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts an Schrecklichem angerichtet hat, fordern wir auch heute: Im Grundgesetz soll festgeschrieben werden, dass Kriegswaffen und Rüstungsgüter grundsätzlich nicht exportiert werden.

Menschen brauchen Nahrung, Wasser und medizinische Versorgung. Angesichts der großen Not eines Sechstel der Menschheit fordern wir von unserer Regierung darüber hinaus: „Kein Geld für Kriegseinsätze und neue Rüstungsprojekte!“ Ungeheuerlich ist die Logik des Todes, durch mehr Waffen und Gewaltanwendung Frieden herbeizwingen zu können, wodurch das Überleben der ganzen Menschheit bedroht ist. Dennoch läuft die Waffenindustrie auf Hochtouren, hier bei Rheinmetall und anderswo. Im EU-Vertrag in der Fassung von Lissabon ist im Artikel 42, Absatz 3 zu lesen, dass sich die Mitgliedstaaten verpflichten, „ihre militärischen Fähigkeiten schrittweise zu verbessern“. Und die NATO hat sich im Mai diesen Jahres gar als Nuklear-Bündnis bestätigt: Die amerikanischen Atomwaffen bleiben in Europa und werden mit Unsummen modernisiert und einsatzbereit gehalten.

Was hat das noch mit Frieden zu tun?

Leider ist zu beobachten, dass ein viel zu großer Teil der Menschen in allen Bevölkerungsschichten sich an diese Kriegslogik gewöhnt hat und  in einem für zivilisierte Menschen unwürdigen Fatalismus verharrt, ohne an unsere Kinder und Nachkommen zu denken. Dabei gibt es längst andere Möglichkeiten, Konflikte zu lösen, mehr als vor 100 Jahren, und Frieden zwischen den Staaten und in den Völkern herzustellen.

An Alfred Nobel schrieb Bertha von Suttner:

„Nennen Sie unseren Friedensplan nicht immer einen Traum.

Ein Fortschritt auf dem Wege der Gerechtigkeit ist gewiss kein Traum, er ist das Gesetz der Zivilisation.“

Darum: Die Waffen nieder!

Hanna Jaskolski

 

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