Helmut Jaskolski, Das Labyrinth, Kapitel II

 

 

 

Der Baumeister

 

 

 

 

 

Das Labyrinth von Kreta.

 Zeichnung eines unbekannten paduanischen Zeichners um 1465

 

 

 

Minos beschließt seine Scham hinweg aus dem Hause zu schaffen

und in den finsteren Bau mit den vielen Kammern zu schließen.

Daedalus baut das Werk, in der Kunst der berühmteste Meister.

Und er versieht seine Kammern mit täuschenden Zeichen; die Augen führt

in den Krümmen der kraus sich verschlingenden Gänge er irre.

 

Ovid, Metamorphosen

 

 

Den Faden der Ariadne benötigte Theseus nicht, um zum Zentrum des Labyrinths zu gelangen, sondern um den Rückweg zu finden. Ist das nicht sonderbar? Muß man nicht annehmen, daß Hin- und Rückweg identisch sind und daß der Weg ins Freie mit derselben Sicherheit gefunden wird wie der Weg ins Innere? Oder gibt es zwei verschiedene Wege: der eine unverfänglich, der andere aber in die Irre führend, so daß ein Entkommen schwer oder so gut wie unmöglich ist?

 

ANDRÉ GIDE hat in seiner Theseus-Erzählung das Problem mit dem Ariadnefaden in eigenwilliger Weise gelöst: Er geht davon aus, daß es nur einen einzigen Weg gibt, jedoch für den Rückweg eine außergewöhnliche Hilfe nötig ist, weil Daidalos das Labyrinth mit narkotischen Dünsten versehen hat, die den Besucher in eine faszinierende Traumwelt versetzen; im Labyrinth der eigenen Einbildungen und Visionen gefangen, könnte er zurückkehren, will es aber gar nicht. Um Theseus vor diesem Schicksal zu bewahren, erhält die verliebte Ariadne von Daidalos einen hinreichend strapazierfähigen Faden, der die Vollendung des Unternehmens gewährleisten soll. Was hätte denn auch der Sieg über Minotauros genützt, wenn Theseus der Geliebten im Drogenparadies verlorengegangen wäre?

 Als wir daher vor dem Eingang des Labyrinths angekommen waren - einer Pforte, die mit dem in Kreta überall angebrachten Doppelbeil verziert war -, beschwor ich Ariadne, nicht von der Stelle zu weichen. Sie hielt darauf, das Fadenende selbst an meinem Handgelenk zu befestigen, und zwar durch einen Knoten, den sie als Symbol der Ehe ausgab; dann hielt sie ihre Lippen auf meine gepreßt während einer, wie mir schien, endlosen Zeit. Ich hatte es eilig, vorwärts zu dringen.1

 

Soweit die moderne Version!

 

Der unbekannte paduanische Zeichner, der um die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts das Labyrinth von Kreta mit Minotauros als Kentaur darstellte, gibt ebenfalls eine klare Antwort: Es gibt nur einen einzigen Weg, der hinein- und herausführt. Und damit dies auch jeder Betrachter bemerkt, kennzeichnet er den identischen Ein- und Ausgang mit dem lateinischen Wort via.2

 

Die spätmittelalterliche Miniatur gibt uns noch einen anderen Hinweis: Wer ein Labyrinth darstellen will, zeichnet einen architektonischen Grundriß. Merkwürdigerweise aber sperrt sich unsere Phantasie, wenn sie aufgefordert wird, auf diesem Grundriß ein Gebäude zu errichten. Könnte es sein, daß der Labyrinthos des Daidalos gar kein Bauwerk im herkömmlichen Sinn war? Was aber konnte dann Daidalos erfunden und gebaut haben?

 

Der Dichter HOMER beschreibt in seiner »Ilias«, der Geschichte vom Kampf um Troja, die Abbildungen auf dem Schild, den der Gott Hephaistos, der Hinkende, für Achilleus angefertigt hatte:

Und auf ihm bildete einen Reigen der ringsberühmte Hinkende,

Dem gleichend, den einst in der breiten Knosos

Daidalos gefertigt hatte für die flechtenschöne Ariadne.3

 

Einen Reigen für Ariadne? Die Griechen sagten chorós und meinten damit entweder einen Tanz oder den dazugehörigen Tanzplatz. Einen anderen Hinweis gibt uns ein mykenisches Tontäfelchen, das in Knossos gefunden wurde und in die Zeit um 1400 v. Chr. datiert wird. Seine Inschrift wurde fantasievoll mit den Worten übersetzt:

Ein Honigtopf für alle Götter

Ein Honigtopf für die Herrin des Labyrinths.4

 

Ariadne: die Herrin des Labyrinths, eine Göttin, der geopfert wird? Das Labyrinth: eine Kultstätte oder ein sakraler Tanzplatz mit labyrinthförmiger Gangführung?

 

Ich stelle mir vor: Daidalos baut für die göttliche Ariadne einen kunstvollen Tanzplatz, und es tanzen zu ihrer Verehrung die jungen Leute, sieben Knaben und sieben Mädchen, den Reigen, allen voran Theseus als Führer der Tanzgruppe, in der Hand den Faden der Ariadne - ein Seil vielleicht, das sie alle zusammenhält -, und so gelangen sie, in pendelnder Bewegung, tanzend und singend zur Mitte des Labyrinths, aber nur Theseus kommt dorthin, nicht die Gefährten, denn am Ende des verschlungenen Weges stockt die Kette der Tänzer, der Tanz ist zu Ende, weil der Führer in die Sackgasse geraten ist, weil er im Zentrum des Labyrinths gefangen ist. Da hilft nur der Faden der Ariadne: Umdrehen und zurücktanzen heißt die Parole, aber ohne den bisherigen Anführer; der bildet jetzt zwangsläufig den Schluß der Tänzerkette, von den anderen am Seil gezogen. Singend und tanzend erreichen sie. den Ausgang.

 

So könnten wir uns die alte Geschichte von Theseus und seinen Gefährten im kretischen Labyrinth vorstellen. Auf der Rückfahrt von ihrer Kretareise wiederholen die jungen Leute auf der Insel Delos ihren Tanz zu Ehren der Herrin des Labyrinths: der Ariadne Aphrodite, Gattin des Dionysos.

 

Wo bleibt bei dieser Erklärung Minotauros, der Asterios genannte? Offensichtlich haben die Griechen eine andere Erzähltradition mit der Geschichte von der Kretareise der jungen Athener verknüpft: einen Mythos, der von Minos, Pasiphaë und dem Stier des Minos handelt. Dieser Mythos hatte zunächst nichts mit dem Tanzplatz der Ariadne zu tun, sondern erinnerte an uralte kretische Göttergeschichten, an heilige Höhlen, an den Abstieg zur Unterwelt und die Auferstehung zu neuem Leben. Und dabei durfte das göttliche Tier der frühen Mittelmeerkulturen nicht fehlen: der Stier und seine Kuh.5

 

Was also baute Daidalos dem Minos und seinem Stier? Aus dem ebenerdigen Tanzplatz, dessen labyrinthisches Muster vielleicht gar nicht gemauert, sondern mit Steinplatten gelegt war, wird in den Erzählungen der Griechen der Labyrinthos, ein kunstvolles Gebäude, das wir uns als unterweltliches, höhlenartiges Bauwerk vorstellen. Da dieses aber auf Kreta nicht zu finden war, was schon die antiken Schriftsteller mit Bedauern vermeldeten, wurde in neuerer Zeit der Palast von Knossos mit dem Labyrinth als dem vermeintlichen »Haus der Doppelaxt« (LABRYS) identifiziert, eine Spekulation, die - von dem Archäologen SIR ARTHUR EVANS in die Welt gesetzt - gelegentlich auch heute noch gegen bessere Einsicht als Faktum kolportiert wird.6 Eine ähnliche Erfindung, die allerdings schon eine jahrtausendealte Patina aufweist, ist die Geschichte vom Ägyptischen Labyrinth. Die erste Nachricht davon stammt aus dem 5. vorchristlichen Jahrhundert: Der griechische Historiker HERODOT VON HALIKARNASS berichtet in seinen »Historien« aus eigener Anschauung von dem ungewöhnlich großen Totentempel, den sich der Pharao AMENEMHET III. um das Jahr I800 v. Chr. bei seiner Pyramide bauen ließ, und bezeichnet dieses früher als Weltwunder geltende Bauwerk als Labyrinth. Nun muß man wissen, daß dies damals nichts anderes bedeutete als ein großer, staunenerregender, aus Stein sehr sorgfältig erbauter Gebäudekomplex.7 Ein halbes Jahrtausend später bekamen die Römer in der »Naturgeschichte« des Schriftstellers GAIUS PLINIUS SECUNDUS D. Ä. scheinbar Genaueres zu lesen:

Auch von den Labyrinthen will ich sprechen, den abenteuerlichsten Werken von Menschenhand, die aber darum doch nicht, wie man glauben könnte, nur Erdichtung sind. Noch jetzt besteht in Ägypten im herakleiopolitischen Nomos eins, und zwar das erste, das, wie man sagt, vor 3600 Jahren von König Petesuchus, der auch Tithoes heißt, erbaut ist. (...) Unbezweifelt nahm Daidalos dies Labyrinth zum Vorbild dessen, welches er in Kreta baute, das aber nur den hundertsten Teil so groß ist und eine Menge krummer Gänge, Gegengänge und unentwirrbare Windungen enthält, nicht aber ein solches ist, wie wir es wohl auf Estrich oder auf Spielplätzen von Kindern sehen, welches auf einem kleinen Flecke einen Raum von einigen Tausend Schritten zum Umhergehen enthält; sondern es waren viele Türen darin angebracht, um das Begegnen zu erschweren und wieder in die Irrgänge zurückzuleiten. Nach dem Ägyptischen war dies das zweite Labyrinth; das dritte war das in Lemnos, das vierte in Italien.8

 

Aus dem bewunderungswürdigen Bau des Pharao war inzwischen auf dem Weg des Hören-Sagens ein Irrgang-­Gebäude geworden, das vermeintliche Modell für den minoischen Labyrinthos. Die Phantasie der Mythenerzähler, die von Minotauros ausgegangen war, hatte hier - und das nicht zum ersten Mal - die Vorstellung der Menschen von der Wirklichkeit geprägt! Gewiß war schon Plinius ein eifriger Leser der beiden epischen Werke römischer Autoren, die zu Klassikern der römischen und schließlich der europäischen Literatur geworden sind: VERGILS »Aeneis« und OVIDS »Metamorphosen«. Im fünften Buch der »Aeneis« konnte er die poetische Deutung des Trojaspiels der römischen Knaben finden, das Muster für seine eigenen Vorstellungen:

Wie das Labyrinth auf Kretas Höhen vor Zeiten

Wegegespinst aus Wänden voll Nacht und täuschendem Trug

mit tausend von Gängen der Sage nach bot,

wo weisenden Zeichen Wirkung raubte

der Wirrwarr des rückkehrweigernden Irrgangs,

also flechten die Söhne der Teukrer die Spuren im Reigen

täuschend in eins und verweben Flucht und Gefechte

beim Spielen gleich Delphinen,

welche beim Schwimmen durch Meeresgewässer

libyisches Meer und karpathisches (flink im Spiel) durchschneiden.9

 

Im sechsten Buch schließlich belebte Vergil den Labyrinthos mit den Figuren des Mythos:

Hier schaute man des Labyrinthes Maschen,

In die der Weg sich unentrinnbar fing;

Doch ob dem großen Lieben Ariadnes

Erfaßte Mitleid Daedalus: so löste

Er selbst des Baus verschlung'ne Rätselgänge

Und leitete den blinden Schritt am Garn.10

 

HIC LABOR ILLE DOMUS ET INEXTRICABILIS ERROR . . .  Anders übersetzt „Hier das Gebäude der Qual und das nie zu entwirrende Irrsal.“ Im Gedächtnis der Zeitgenossen und Nachgeborenen haftete die Formel INEXTRICABILIS ERROR, der unentwirrbare Irrgang. Leicht fand man die Entsprechung in den »Metamorphosen« des Ovid: ET LUMINA FLEXU DUCIT IN ERROREM VARIARUM AMBAGE VIARUM, und führt das Auge in die Irre durch krumme, verschlungene Gänge.11 Kein Zweifel: Nur der Faden der Ariadne konnte Theseus aus diesem tödlichen Wirrwarr retten und nur der geniale Konstrukteur des finsteren Baues auf die rettende Idee kommen: Daidalos, der Mitleid mit der verliebten Prinzessin verspürte.

 

Merkwürdigerweise wurde der Labyrinthos des Daidalos, obwohl als Irrgang-Gebäude vorgestellt, jahrhundertelang durch die Figur des klassischen Ein-Weg-Labyrinths dargestellt. Plinius kannte, wie seine Darstellung beweist, die römischen Mosaik-Labyrinthe, die die Kinder zu spielender Bewegung einluden; und wahrscheinlich war es ein Kind, das die Labyrinth-Figur am Haus des MARCUS LUCRETIUS in Pompeji einritzte und mit dem Kommentar versah: LABYRINTHUS HIC HABITAT MINOTAURUS (siehe Einführung). Und was in der Antike galt, war auch im Mittelalter selbstverständlich. Es ist gerade so, als ob entgegen aller Kenntnis des unentwirrbaren Irrgangs der Triumph des Ariadnefadens als des rettenden Weges gefeiert werden sollte.12

 

  Labyrinth aus dem Ostflügel der römischen Thermen von Verdes (Blois, Frankreich), ca. 200 - 230 n. Chr.

 

Auch wir halten uns an diese Grundform des Labyrinths, die geometrische Form und Bewegungsfigur, die uns Symbol ist, eine Idee, die in unserem Gedächtnis verknüpft ist mit Gestalten und Geschichten, die vom Leben erzählen, vom geheimnisvollen, vom schrecklichen und herrlichen Leben.

 

Als dessen Sinnbild blieb es seit alters her für die Menschen ein faszinierendes Zeichen, das in den Ländern rings um das Mittelmeer und weit darüber hinaus anzutreffen ist: als Felsritzung und Graffito, als Fußbodenmosaik, in kostbaren Handschriften und frühen Drucken, in mittelalterlichen Kathedralen, auf Gemälden und Schmuckstücken, als Rasen-Labyrinth in England, als Trojaburg in Nordeuropa, schließlich als Garten-Labyrinth und Irrgarten, ein Ort von Festen und Spielen.

 

Im Laufe der Jahrhunderte veränderten sich die Vorstellungen vom Labyrinth nach Sinngehalt und Form: eine Idee, die in immer neuen Variationen die Menschen fasziniert. In Europa ist sie mit dem Namen und der Symbolfigur des Daidalos in besonderer Weise verbunden geblieben.

 

DOMUS DAEDALI, MAISON (DE) DEDALUS, Haus des Daidalos nannten später die Europäer das Labyrinth, oder einfach nur - wie die Franzosen - Dedalus. Meister Daidalos, der bewunderungswürdige Tausendkünstler, wurde zum Urbild des Handwerkers, Technikers und Architekten, mit dem man sich stolz verglich: Die Baumeister der mittelalterlichen Kathedralen, dieser beeindruckenden Bauwerke, erinnerten an ihr fachmännisches Wissen und ihre geniale Leistung, indem sie sich in den Labyrinthen dieser Kirchen verewigten oder die Schlußsteine mit dem Labyrinthzeichen versahen: Seht her, ein neues Haus des Daidalos!

 

Und Daidalos baute nicht nur Tempel und Paläste, Kathedralen und Burgen, sondern ganze Städte: Troja und Konstantinopel, Jericho und Jerusalem - symbolische Städte, vorgestellt als Labyrinthe, die Stadt als geschützter heiliger Bezirk und als Abbild der Welt, das Labyrinth gesehen als befestigte Stadt mit Mauern, Zinnen, Ecktürmen und einem Eingangs­tor. Noch die englischen Rasen-Labyrinthe erinnern an das Sinnbild der Stadt: WALLS OF TROY hießen sie manchmal, Mauern von Troja. Und sie erinnern an Daidalos, den Erfinder der labyrinthisch verschlungenen Mauern.

 

  

 

Anmerkungen

 

Motto: Publius Ovidius Naso, Metamorphosen VIII,157 - 161

Übersetzung von Erich Rösch, Ernst Heimeran Verlag, München 1968.

 

1  André Gide, Theseus, in: Sämtliche Erzählungen. Stuttgart 1965, S. 630.

 2   Bildlegende zum Titel-Labyrinth in Hermann Kern, Labyrinthe, 3. Aufl., München 1983, Abb. 207, S.175.

 

3   Homer, Ilias, 18. Gesang, V 590 ff. (Übersetzung von W. Schadewaldt, Frankfurt 1975).

 

4   Zitiert nach Kern, a.a.O.,  S. 17, Abb. und Legende, S. 92. Neuerdings hat Friedrich Dürr die zitierte poetische Lesart in Frage gestellt und eine neue ernüchternd prosaische vorgelegt: "Den Schiffen stehet bei, damit es keinen Bruch gibt!/ Er ist der Mutterstadt zugetan./ Zum Kampf, jonisch gesagt!/  Irgendwann werde ich den Bruch heilen." Zitiert nach Ilse M. Seifried (Hrsg.): DAS LABYRINTH oder Die KUNST ZU WANDELN. Haymon-Verlag. Innsbruck 2002, S. 17.  Seine Version ist auch  im Internet veröffentlicht unter dem Titel „Die Kunst zu wandeln. das Labyrinth. Mythos und Wirklichkeit. Textauszüge aus dem Ausstellungs-Katalog“ , http://www.das-labyrinth.at/labyrinth/labyrinth-text-dt.htm, S. 6 (Homepage von Ilse M. Seifried. Weitere Angaben dazu in Anm. 21 meiner Einführung.)

Mit diesem unverständlichen Text kann ich mich nicht anfreunden. Ich bevorzuge die traditionelle Lesart wegen ihres poetischen Reizes und ihrer erahnten Wahrheit. Sollte ich etwa wegen einer neuen „wissenschaftlichen“ Spekulation auf den wundervollen Honigtopf und die Herrin des Labyrinths verzichten?

 

5   Vgl. Hans Peter Duerr, Sedna oder Die Liebe zum Leben, Frankfurt am Main 1984

 

6  Vgl. Kerns Diskussion der These von Evans, die auf den deutschen Archäologen Maximilian Mayer zurückgeht: Kern, S. 46 f

 

7   Vgl. Kern, S. 74.

 

8   Zitiert nach Kern, S. 72.

 

9   Vergil: Aeneis, V, 588 - 595 (Übersetzung von Eduard Norden, Darmstadt 4. Aufl. 1957).

 

10  Vergil: Aeneis, VI, 27 – 30.

hic labor ille domus et inextricabilis error;
magnum reginae sed enim miseratus amorem
Daedalus ipse dolos tecti ambagesque resolvit,

caeca regens filo vestigia.

In anderer Übersetzung (nach W. Hertzberg, bearbeitet von E. Gottwein):

Hier das Gebäude der Qual und das nie zu entwirrende Irrsal.
Daidalos aber, gerührt durch die innige Liebe der Fürstin,
Löste der Gänge Gewirr und die Listen des Baus, mit dem Faden

Lenkend den irrenden Schritt.

Zitiert nach http://www.gottwein.de/Lat/verg/aen06la.htm

 

11   Ovid: Metamorphosen, VIII, 161 f. (Übersetzung von Gerhard Fink, Frankfurt 1992), siehe Kapitel XII, Anm. 1.

 

12   Vgl. Wolfgang Haubrichs: Error inextricabilis. Form und Funktion der Labyrinthabbildung in mittelalterlichen Handschriften. In: Meier/ Ruberg (Hg.): Text und Bild. Wiesbaden 1980, S.63 - 174, hier S. 97: »Die univiale Konstruktion der Labyrinthe verstößt so offensichtlich gegen den in den Texten immer wieder bewußt gemachten Sinn der Figur, den error, daß wir der Abweichung eine Intention unterstellen müssen: die antike und mittelalterliche Labyrinthabbildung repräsentiert im Schema den Weg, den Ariadnefaden, den vom Mythos gefeierten Sieg über den error, nicht die Konstruktion der domus Daedali und deren Irrwege.«.  

 

 

Bildnachweis

 

Das Labyrinth von Kreta: Giovanni Marcanova, Antiquitatum fragmenta, Modena, Biblioteca Estense

 

Römisches Labyrinth: Zeichnung nach Comte de  Pibrac