pax christi - Basisgruppe Erftstadt

 

"pax christi: engagiert. gewaltfrei. ökumenisch." Mit diesem Slogan stellt sich die deutsche Sektion der internationalen katholischen Friedensbewegung vor. In Deutschland hat pax christi rund 5000 Mitglieder. In Erftstadt sind es zehn Frauen und Männer, die sich zusammen mit ihrem geistlichen Beirat, Pfarrer Winfried Jansen, für die Ziele der Pax-Christi-Bewegung einsetzen. Unsere Besonderheit ist, dass wir nicht nur ökumenisch gesinnt sind, sondern auch evangelische Mitglieder haben.

 

 

In Kurzform beschreiben wir unser gemeinsames Engagement in Überlebensfragen der Menschheit mit den Schlüsselbegriffen "Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung". Wir setzen uns für die Versöhnung zwischen verfeindeten Völkern und Gruppen ein und werben dafür, dass in Politik und Gesellschaft gewaltfreie Konfliktlösungen den Vorrang erhalten vor militärischen Interventionen. Wir fühlen uns den Intentionen der Ökumenischen Dekade zur Überwindung von Gewalt verpflichtet und beschäftigen uns deshalb mit der Problematik der Gewalt in allen Lebensbereichen. Wir setzen uns aktiv für die Erziehung zu einer Kultur des Friedens ein, deren Prinzipien im "Manifest 2000" der Friedensnobelpreisträger proklamiert sind. Deshalb geben wir Anregungen durch Seminare und Vorträge; in den vergangenen Jahren waren es die Themen "Zivilcourage - was ist das?", "Konflikt als Chance zur Veränderung", "Religion und Gewalt", "Die politische Situation in Israel/Palästina". In Zusammenarbeit mit Trainerinnen und Trainern des Friedensbildungswerkes "Umbruch" (Köln) haben wir den an zivilcouragiertem Handeln interessierten Bürgern mit großem Erfolg zwei Trainingskurse angeboten: "Wege aus der Gewalt" (1997) und "Gewaltfrei eingreifen bei Anmache und Gewalt" (2001). Auch Ausstellungen sind für uns Mittel friedenspädagogischen Handelns. Im Jahre 1999 veranstalteten wir die Ausstellung "Gute Minen gibt es nicht" im Foyer des Rathauses und in der Kirche St. Barbara. Zwei Jahre später holten wir die Ausstellung "Die Atombombe und der Mensch" (erarbeitet von Nihon Hidankyo, dem japanischen Verband der Atombombenopfer) für eine Woche ins Pfarrzentrum St. Kilian in Erftstadt-Lechenich. Thema der Finissage war "Gefährdung und Bewahrung der Schöpfung im Spiegel moderner Lyrik". Musik und lyrische Texte trugen gleichermaßen zur Meditation bei. Höhepunkt des Abends war die Darbietung des Textes "Tränen der Schöpfung" von Dorothee Sölle, entnommen dem Oratorium für den Planeten des Lebens „Sunt lacrimae rerum“.

 

 

Die Ausstellung "Die Atombombe und der Mensch" steht für uns in einem politischen Zusammenhang, dem auch unsere Stadt verpflichtet ist. Erftstadt ist durch Ratsbeschluss vom 20. Juni 1985 zur "atomwaffenfreien Zone" erklärt worden. Das hatte man völlig verdrängt. Nun ist unsere Gruppe seit 1994 im Kommunalen Nord-Süd-Forum der Stadt Erftstadt vertreten. In der lokalen Agenda geht es um praktisches politisches Handeln für eine zukunftsfähige, nachhaltige Entwicklung nach dem Motto „global denken - lokal handeln!“ Auf unsere Initiative schlug das Nord-Süd-Forum dem Rat der Stadt vor, in Erinnerung an den Beschluss von 1985 dem Städtebündnis mit Hiroshima und Nagasaki beizutreten. Durch Ratsbeschluss vom 26. September 2000 wurde Erftstadt so Mitglied der „Weltkonferenz für den Frieden durch Solidarität der Städte” (Mayors for Peace).

Seit dem Kolumbus-Jubiläum 1992 unterstützen wir als Gruppe eine Basisorganisation in Medellín/Kolumbien in Projekten der Gewaltfreien Gemeinwesenentwicklung. Der persönliche Kontakt zu "Nueva Esperanza / Neue Hoffnung" besteht insgesamt bereits seit über zwanzig Jahren.

Als Gruppe treten wir gelegentlich auch in die Öffentlichkeit der Straßen und Plätze, z.B. vor dem Rathaus, auf dem Lechenicher Markt oder bei Pfarrfesten. Dann weisen wir hin auf Tatsachen und Tendenzen, die nicht der Friedensentwicklung dienen, z.B. Atomwaffen, Landminen, Rüstungsexportgeschäfte, Militärflugdemonstrationen. Gruppenmitglieder nehmen auch an Friedensdemonstrationen und gewaltfreien Aktionen an anderen Orten in ganz Deutschland teil, im Besonderen gegen die fortbestehende nukleare Rüstung. Auch publizistisch betätigen wir uns, um friedenspolitische Themen der Öffentlichkeit zu vermitteln. Seit Weihnachten 2001 bringen wir Flugblätter heraus, die wir "Denk-Zettel" genannt haben. Wir verbreiten sie in den Kirchengemeinden und auf den Plätzen von Erftstadt. Einige von ihnen sind schon per Internet und Post in andere Orte unserer Republik gelangt. Im Mai 2003 erschien der Denk-Zettel Nr. 5 mit dem Titel "Kennen Sie GATS?"

Im Frühjahr 2003 stellten wir uns im Vorfeld des Irak-Krieges in den Dienst der Erftstädtischen Bürgerschaft, indem wir die Antikriegsdemonstration am 15. Februar auf dem Lechenicher Markt maßgeblich mitorganisierten und im März eine vierstündige literarisch-musikalische "Friedensnacht" in der evangelischen Kirche der Versöhnung gestalteten

Zu einem Politisch-theologischen Café mit dem Thema "Christenheit am Scheideweg" luden wir am 2. Juli 2003 Thomas Ruster, Professor für Fundamentaltheologie an der Universität Dortmund,  ins Pfarrheim St. Barbara in Erftstadt-Liblar ein.  Die über 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten mit Professor Ruster auf der Grundlage eines von ihm verfassten Textes, den wir als Denk-Zettel Nr. 6 in Erftstadt verbreiteten; sein Titel ist „Mit Tora-Codierung die Systeme irritieren. Biblische Mittel gegen die Gesellschaft, die alle zu destruktivem Verhalten zwingt“.  

Im November hatten wir Besuch aus Brasilien. Frau Prof. Ana-Maria Freire, mit zwei anderen Professorinnen aus lateinamerikanischen Ländern auf der Durchreise zu einem Kongress in Oldenburg, diskutierte in einem Pädagogisch-philosophischen Café mit uns und anderen Interessierten über aktuelle Aspekte der Befreiungspädagogik Paolo Freires, ihres verstorbenen Mannes. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Rolle der Bildung, vor allem der Menschenrechtserziehung, in den Zeiten der Globalisierung und das partnerschaftliche Zusammenwirken von Lehrenden und Lernenden (Lernen geschieht im Dialog). Gastgeber war die evangelische Gemeinde in Erftstadt-Liblar.

Der internationale Tag der Menschenrechte am 15. Dezember bot uns die Gelegenheit, das Menschenrechtsthema auch einer breiteren Öffentlichkeit nahe zu bringen. Wir brachten unseren 7. Denk-Zettel mit dem Titel "Die Sache mit den Menschenrechten" heraus.

Im Jahr 2004 haben wir unsere großen Pläne tatsächlich realisiert. Es ist uns gelungen, eine globalisierungskritisch und  friedenspolitisch orientierte Eine-Welt-Initiative für Erftstadt auf den Weg zu bringen und damit die engere Zusammenarbeit verschiedener Gruppen in Erftstadt herbeizuführen. Es bleibt weiter unser Ziel, dem Aufruf zum Ökumenischen Prozess für eine Wirtschaft im Dienst des Lebens zu folgen und den "Prozess der Erkenntnis, der Aufklärung und des Bekennens (processus confessionis) im Hinblick auf wirtschaftliche Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung" in die Kirchengemeinden und in die weitere Öffentlichkeit unserer Stadt zu tragen. Informationen zum Ökumenischen Bekenntnisprozess gibt es auf der Website von KAIROS EUROPA

Außerdem haben wir in der Zeit vom 26. Juni bis 18. Juli die international bekannte Ausstellung "Ich hab' den Krieg gezeichnet" (Kinderzeichnungen, seit dem Spanischen Bürgerkrieg gesammelt von Françoise und Alfred Brauner) nach Erftstadt gebracht und mit ihr ein friedenspädagogisches Projekt für Kinder und Jugendliche sowie Veranstaltungen für Erwachsene verbunden. Das dreiteilige Projekt "Krieg ist kein Kinderspiel" stellten wir in den Dienst der "UN-Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit zugunsten der Kinder dieser Welt". 

     Zur Eröffnung der Ausstellung spielte die Trommelgruppe des Jugendprojektchors "A better world" unter Leitung von Donatus Haus.

Am 25. Juni feierte die Gruppe ihr zwanzigjähriges Jubiläum im Pfarrheim und in der Kirche St. Barbara mit "Nachthell - einer Nacht des Friedens und der Solidarität". Aus ganz Deutschland waren Gäste dabei, aus Kolumbien Pfarrer Gabriel Diaz als Vertreter unserer Partnergruppe Nueva Esperanza. Josef Roberg von der pax christi-Bistumsstelle Köln, der mit seinen Kindern unser Gast war, schilderte im Kölner Rundbrief das Interieur des Pfarrsaals wie folgt: "An der Stirnwand war ein pax christi-Schiff zu besichtigen, gebaut aus einer alten Gartenliege, ziemlich plastisch und mit einfachen Mitteln realisiert. Zur Seite hin wurde der Raum von einer großen Plakatwand begrenzt, auf der es viel zu lesen gab, eine Zeitleiste in drei Ebenen, die vom Gründungsjahr der  Gruppe bis zum Juni 2005 reichte: die Ereignisse der großen Politik ganz oben, dann die Geschichte der Friedensbewegung und unten die Daten der Gruppengeschichte. Ins Auge springend an der Decke ein riesiger bunter Kranich aus Papier, der im Saal viele kleine Schwester- und Brüderkraniche hatte. Und dies war für Hannah und Jasper wichtig: ein großes Buffet im Hintergrund." 

An der Zeitleiste von 1985 bis 2005 wurden 20 Jahre Geschichte von Krieg und Frieden lebendig. Gäste und Gruppenmitglieder reflektierten im Gespräch die eigene Biographie des Engagements für den Frieden. Über den Verlauf des Abends berichtete Josef:  "Der ganze Abend war ein Gottesdienst, mal deutlich zu erkennen, mal Dienst an den Menschen, mal Gesang, Musik, Gebet und auch Speisung. Pfarrer Winfried Jansen und Gabriel Diaz begaben sich mit der Gruppe und den Gästen auf eine mehrstündige Reise vom Pfarrsaal ausgehend über den Vorplatz bis hinein in die Pfarrkirche zur Eucharistiefeier. Gabriel Diaz berichtete, was er von den Armen gelernt hat und noch immer lernt, was es in Kolumbien konkret bedeutet, für Gewaltfreiheit und Gerechtigkeit gegenüber den Menschen und der Schöpfung einzutreten. Begleitet wurden die zahlreichen Lieder von Klavier, Trompete, Querflöte, Gitarre und Trommel. Auch Tochter Hannah trug mit der Trommel zur musikalischen Untermalung bei. Beide Kinder waren besonders beeindruckt von der dunklen Kirche, die wir mit unseren Kerzen zum Leuchten brachten – nachthell in Erftstadt." 

Uns beflügelt die Hoffnung, dass die Gruppe auch in den nächsten 10 Jahren lebendig bleibt!

Juli 2003, ergänzt im Dezember 2005

Helmut Jaskolski 

 

Aktuelle Informationen der pax-Christi-Gruppe finden Sie auf der neuen Website http://www.paxchristi-erftstadt.de/

 

Menschen brauchen Wasser ... nicht Waffen

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